Stangerbad

Das Steckenpferd unserer Physiotherapie ist das nach dem deutschen Gerbermeister Stanger (aus Ulm benannte) elekto-galvanische Vollbad mit ca. 600 Liter Wasserinhalt. Diese Art von schmerz dämpfender Therapie bietet die gute Möglichkeit, locker, entspannt im Wasser liegend generalisierte Schmerzgeschehen grossflächig zu behandeln.

Stangerbad anno 1866

Nach dem bekannt werden der Möglichkeit, dass Gleichstrom Stoffe in Jonenform transportiert, setzten fortschrittliche Gerber die Lohebrühe-Lauge unter galvanischen Strom und erreichte so, dass die darin befindlichen Leder in der wesentlich kürzeren Zeit gegerbt waren. Herr Stanger bemerkte nebenbei, dass seine Arbeiter, die ständig mit dem Armen in den kalten Bottichen werkten, nie über rheumatische Beschwerden und ähnliches klagten. Daraus entstand nach und nach die Therapie – zuerst in Holzzubern mit Kohleplatten. Die Wannen sind heute wesentlich moderner, doch das Prinzip ist immer noch das selbe.

Wir kennen folgende Wirkungswege:
elektrisch: über die Gefässerweiterung und Mehrdurchblutung erreicht man eine Schmerzdämpfung sowie Stoffwechselanregung und die Gewebsspannung kann reguliert werden.
thermisch: wenn das Wasser wärmer als 37°C ist, Blutgefäss öffnend und so bis zur Körperoberfläche Stoffwechsel anregend.
hydrostatisch: der Wasserdruck verlagert die Gewebsflüssigkeiten Ödem verringernd im Körper, und er Auftrieb entlastet und entspannt.
kinetisch: es wirkt durch den Auftrieb lockernd und ermöglicht, der zu behandelnden Person, sanfte Bewegungsübungen zu machen, die bei starken Schmerzen im Trockenen noch nicht möglich wären.
chemisch: bei Zugabe von Lohebrühe (Huminsäure) wirkt das Bad gerbend und mehrdurchblutend. Dies kam früher speziell bei offenen Beinleiden (Ulcus cruris) zum Einsatz.


Indikationen Stangerbad:Das Einsatzgebiet der Stangerbäder reicht von Artikulären- und Weichteilerkrankungen des rheumatischen Formenkreises (muskuläre Dysbalance), über Erkrankungen des Nervensystems, so wie Durchblutungsstörungen arterieller und venöser Natur, bis hin zur Unfall­ nachbehandlung mit Metallimplantaten.
Es sei hier speziell erwähnt, dass die stabile Galvanisation auf Implantate oder Osteosynthesen keinen schädigenden Einfluss hat (untersucht und bewiesen durch das Laboratorium für experimentelle Chirurgie, Davos H.P. Nötzli)